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Das Monster von Florenz: Italiens blutigste Mordserie

Eine Reise in die Toskana der 1970er- und 80er-Jahre, wo ein Serienmörder Paare in Autos attackierte und die Ermittler mit derselben Tatwaffe immer wieder in die Irre führte. Im Mittelpunkt stehen die verhängnisvolle „sardinische Spur“, die fragwürdigen Verurteilungen und die späteren Verdächtigen rund um Pietro Pacciani.


Chapter 1

Der Albtraum in den Hügeln der Toskana

Leonie Jung

Crime Across Europe - willkommen zu einem neuen Fall. Heute führt unsere Recherche nach Italien. Wir gehen zurück ins Jahr neunzehnhundertvierundsiebzig.

Oscar Keppler

Es ist die Nacht des fünfzehnten September. Ort des Geschehens ist eine abgelegene Landstraße nahe Borgo San Lorenzo, nordöstlich von Florenz. Die Hügel der Toskana liegen in völliger Dunkelheit. Es herrscht Neumond. In einem kleinen Fiat einhundertsiebenundzwanzig sitzen zwei junge Menschen: Pasquale Gentilcore, neunzehn Jahre alt, und Stefania Pettini, achtzehn Jahre alt. Sie werden das nächste Jahrhundert nicht mehr erleben.

Leonie Jung

Diese Nacht markiert den eigentlichen Beginn einer Verbrechensserie, die als das Monster von Florenz in die Kriminalgeschichte eingehen sollte. Die Brutalität war beispiellos. Pasquale Gentilcore wird durch mehrere Schüsse aus einer Waffe des Kalibers Punkt zweiundzwanzig getötet. Stefania Pettini erleidet dasselbe Schicksal, doch bei ihr geht der Täter weiter. Er fügt ihrem Körper nach dem Tod fast einhundert Messerstiche zu. Ein Detail, das die Ermittler fassungslos macht.

Oscar Keppler

Ein absolut grausames Detail, Leonie. Und es ist der Auftakt zu einer Serie, die insgesamt sechzehn Morde zwischen neunzehnhundertachtundsechzig und neunzehnhundertfünfundachtzig umfassen wird. Immer sind es Liebespaare in Autos. Immer geschehen die Taten in warmen Sommernächten, fast ausnahmslos bei Neumond, in den dichten Wäldern oder auf den einsamen Hügeln rund um Florenz. Ein einsetzendes gesellschaftliches Trauma für eine ganze Generation junger Italiener, die plötzlich Angst haben mussten, sich nachts zurückzuziehen.

Leonie Jung

Bevor wir tiefer in die verworrenen Pfade dieser jahrzehntelangen Jagd einsteigen, ein wichtiger Hinweis zu unserer Arbeitsweise. Für diese episode haben wir historische Berichte, Ermittlungsakten, Dokumentationen und moderne Forschung ausgewertet, um den Fall aus heutiger Sicht neu zu bewerten. Wir nutzen diese Synthese, um die Widersprüche der Ermittlungen freizulegen.

Oscar Keppler

Und diese Widersprüche beginnen sehr früh. Denn als die Polizei nach der Tat von neunzehnhundertvierundsiebzig die Projektile untersucht, stellt sich heraus: Die verwendete Munition der Marke Winchester mit dem eingeprägten Buchstaben H auf der Hülse stammt aus derselben Waffe, die bereits sechs Jahre zuvor, im August neunzehnhundertachtundsechzig, bei einem Doppelmord im kleinen Ort Signa verwendet wurde. Damit war klar: Der Täter war kein Unbekannter. Aber die Spur führte die Ermittler in eine Sackgasse, die sie jahrelang nicht verlassen sollten.

Chapter 2

Die „Spur der Sardin“ und das erste Chaos

Leonie Jung

Gehen wir also zurück zu diesem ersten Doppelmord vom einunddreißigsten August neunzehnhundertachtundsechzig in Signa. Die Opfer damals: Barbara Locci und ihr Liebhaber Antonio Lo Bianco. Sie wurden ebenfalls in einem Auto erschossen. Auf dem Rücksitz schlief der sechsjährige Sohn von Barbara Locci, Natalino Mele. Als die Ermittler damals den Ehemann von Barbara Locci, einen sardischen Einwanderer namens Stefano Mele, verhörten, gestand dieser die Tat nach stundenlangem Druck.

Oscar Keppler

Stefano Mele war ein leicht manipulierbarer Mann. Sein Geständnis war voller Widersprüche. Er beschuldigte nacheinander verschiedene Liebhaber seiner Frau, ihm geholfen zu haben. Doch die Ermittler bauten darauf eine Theorie auf, die als die sardische Spur bekannt wurde. Stefano Mele wurde verurteilt, kam ins Gefängnis und saß dort auch noch, als neunzehnhundertvierundsiebzig der Doppelmord an Pasquale Gentilcore und Stefania Pettini geschah. Mit genau derselben Waffe.

Leonie Jung

Genau da zeigt sich das eklatante Versagen der Behörden. Anstatt einzusehen, dass der wahre Mörder von neunzehnhundertachtundsechzig noch frei herumlief und im Besitz der Pistole war, hielten die Ermittler unter dem Untersuchungsrichter Mario Rotella jahrelang an der sardischen Herkunftstheorie fest. Sie verhafteten nacheinander Francesco Vinci, Giovanni Vinci und andere Männer aus dem Umfeld der Meles. Jeder von ihnen saß monatelang in Untersuchungshaft.

Oscar Keppler

Und das Absurde ist: Während diese Verdächtigen im Gefängnis saßen, schlug das Monster einfach weiter zu. Neunzehnhunderteinundachtzig, zwei Doppelmorde. Neunzehnhundertdreiundachtzig, ein weiterer Doppelmord. Jedes Mal war es dieselbe Pistole, eine Beretta Serie siebzig, Kaliber Punkt zweiundzwanzig. Jedes Mal das gleiche Muster. Die Ermittler waren so fixiert auf ihre sardische Verschwörungstheorie, dass sie wertvolle Jahre verloren, in denen Spuren kalt wurden und Beweise verblassten.

Leonie Jung

Es war ein Tunnelblick der Justiz. Man wollte die Realität an die Theorie anpassen, statt die Theorie an die Realität. Als die sardische Spur Mitte der achtziger Jahre endgültig in sich zusammenbrach, stand die Staatsanwaltschaft unter enormem öffentlichem Druck. Die Medien forderten Ergebnisse. Und in diesem Klima der Hysterie suchte man nach einem neuen Sündenbock.

Chapter 3

Pietro Pacciani und die „Snack-Buddies“

Oscar Keppler

Anfang der neunziger Jahre geriet ein neuer Mann ins Visier der Ermittlungen: Pietro Pacciani, ein jähzorniger, wegen Vergewaltigung seiner Töchter und eines früheren Mordes vorbestrafter Bauer aus Mercatale. Er entsprach perfekt dem Profil eines sadistischen Einzelsitzers, das die Ermittler nun favorisierten. Neunzehnhundertvierundneunzig wurde er in einem spektakulären Indizienprozess wegen sieben der acht Doppelmorde verurteilt.

Leonie Jung

Aber Pacciani war kein gerissener Serienmörder, der über Jahrzehnte hinweg keine Spuren hinterließ. Er war ein grober, ungebildeter Mann. Es gab keine materiellen Beweise gegen ihn. Keine DNA, keine Fingerabdrücke, und die Tatwaffe wurde nie bei ihm gefunden. Nur eine einzige Patrone der Marke Winchester wurde in seinem Garten ausgegraben, von der Kritiker bis heute vermuten, sie sei von den Ermittlern dort platziert worden. Neunzehnhundertsechsundneunzig wurde er im Berufungsverfahren freigesprochen.

Oscar Keppler

Doch der Freispruch passte nicht in das Narrativ der Sonderkommission. Noch vor einer geplanten Neuverhandlung starb Pacciani unter ungeklärten Umständen in seinem Haus. Die Ermittler weiteten daraufhin ihre Theorie aus. Sie präsentierten die sogenannten Brotzeitkumpel, die compagnon di merende. Giancarlo Lotti und Mario Vanni, zwei Männer am absolut äußersten Rand der Gesellschaft, geistig leicht beeinträchtigt und hochgradig manipulierbar.

Leonie Jung

Lotti lieferte schließlich ein Geständnis ab, das die Grundlage für die Verurteilung von ihm und Vanni bildete. Doch dieses Geständnis war voller sachlicher Fehler. Er beschrieb Tatorte falsch und passte seine Aussagen immer wieder den Vorgaben der Ermittler an. Es wirkt aus heutiger Sicht wie eine Farce. Man hatte keine Beweise, also verließ man sich auf die Aussagen von Männern, die kaum in der Lage waren, den Prozess zu verstehen, um den Fall hastig zu schließen.

Oscar Keppler

Die tatsächlichen forensischen Fragen blieben dabei unbeantwortet. Wo war die Beretta Kaliber Punkt zweiundzwanzig? Wer besaß das chirurgische Geschick, um die präzisen Gewebeentnahmen bei den weiblichen Opfern durchzuführen, die bei den Morden ab neunzehnhunderteinundachtzig stattfanden? Weder Pacciani noch seine Kumpane besaßen solche Fähigkeiten. Das führte direkt zur nächsten, noch bizarreren Phase der Ermittlungen.

Chapter 4

Der Schatten der Sekte: Das esoterische Motiv

Leonie Jung

Als den Ermittlern unter dem neuen Leiter Michele Giuttari klar wurde, dass die Theorie der tölphaften Bauern die chirurgischen Verstümmelungen nicht erklären konnte, driftete die Untersuchung in das Reich der esoterischen Verschwörungen ab. Man vermutete nun, dass Pacciani und seine Kumpane nur die Ausführenden einer satanischen Sekte waren. Wohlhabende Auftraggeber aus der Florentiner Oberschicht sollten die Organe für schwarze Messen bestellt haben.

Oscar Keppler

Im Zentrum dieser Theorie stand der mysteriöse Tod eines bekannten Arztes aus Perugia, Francesco Narducci. Er ertrank neunzehnhundertfünfundachtzig unter ungeklärten Umständen im Trasimenischen See, kurz nach dem letzten Mord des Monsters. Giuttari vermutete, Narducci sei Teil des Verschwörungsrings gewesen und ermordet worden, um sein Schweigen zu sichern. Doch handfeste Beweise für diese Theorie gab es nie.

Leonie Jung

Es ist das klassische Muster von institutionellem Versagen, das sich hinter esoterischen Nebelkerzen verbirgt. Weil man den eigentlichen Täter nicht fassen konnte, konstruierte man ein allmächtiges, unsichtbares Netzwerk aus Medizinern, Adligen und Satanisten. Das lenkte wunderbar von den handwerklichen Fehlern der frühen Ermittlungen ab. Kritiker bemängeln bis heute, dass dadurch unzählige Ressourcen für absurde Spekulationen verschwendet wurden.

Oscar Keppler

Die Aktenlage stützt diese Sekten-Theorie tatsächlich an keiner Stelle substanziell. Sie zeigt vielmehr eine überforderte Justiz, die sich in einem Labyrinth aus Gerüchten, gefälschten Beweisen und voreiligen Schlüssen verfangen hatte. Am Ende blieb nichts als ein Berg von Akten und keine einzige überzeugende Antwort.

Chapter 5

Ein ungelöstes Vermächtnis aus Angst

Leonie Jung

Bis heute, Jahrzehnte nach den Taten, bleibt das Monster von Florenz eines der dunkelsten und am schlechtesten gelösten Rätsel der europäischen Kriminalgeschichte. Die wahre Identität des Mörders, der so viele Leben auslöschte, ist nie zweifelsfrei geklärt worden. Die Waffe wurde nie gefunden.

Oscar Keppler

Was bleibt, sind die Opfer. Sechzehn junge Menschen, deren Leben in den toskanischen Hügeln endete. Ihre Familien mussten nicht nur den Verlustschmerz ertragen, sondern auch das quälende Wissen, dass die Justiz versagt hat. Ein System, das sich lieber mit Verschwörungen beschäftigte, statt den Opfern Gerechtigkeit zu bringen.

Leonie Jung

Der Fall Das Monster von Florenz. Neu betrachtet und analysiert mit Hilfe moderner KI-gestützter Recherche. Hier bei Crime Across Europe.

Oscar Keppler

Ein autonom produzierter Podcast aus den ALL EARS ON YOU AI Labs.

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