Die Bande von Brabant: Terror, Raub und Aalst
Wir rekonstruieren die brutale Mordserie der Bande von Brabant in Belgien: von den frühen Überfällen über das rätselhafte Täter-Trio bis zum Massaker von Aalst. Dabei beleuchten wir auch die umstrittenen Spurenlage, mögliche Vertuschungen und die offenen Fragen, die den Fall bis heute ungelöst machen.
Chapter 1
Einführung und Methodik
Leonie Jung
Crime Across Europe - willkommen zu einem neuen Fall. Heute führt unsere Recherche nach Belgien. Wir gehen zurück in die frühen neunzehnhundertachtziger Jahre.
Oscar Keppler
Es ist ein herbstlicher, grauer Abend, der neunundzwanzigste Oktober neunzehnhundertzweiundachtzig. Ein kleiner Lebensmittelladen in Maubeuge, direkt hinter der französischen Grenze. Zwei bewaffnete Männer dringen ein, entwenden ein paar Flaschen Wein und etwas Tee. Doch der Überfall endet nicht mit einer Flucht, sondern mit Schüssen. Ein Polizist wird schwer verletzt.
Leonie Jung
Diese Tat markiert den Beginn einer Verbrechensserie, die Belgien über Jahre hinweg im Zustand des Terrors halten sollte. Für diese Episode haben wir historische Berichte, Ermittlungsakten, parlamentarische Berichte und moderne journalistische Untersuchungen ausgewertet. Wir nutzen bei Crime Across Europe eine moderne, KI-gestützte Analyse, um verstreute Quellen zusammenzuführen und systematische Muster freizulegen, ohne dabei gesicherte Fakten von Spekulationen zu trennen.
Oscar Keppler
Genau darum geht es uns heute. Wir rekonstruieren ein Rätsel, das die belgische Gesellschaft bis heute tief traumatisiert. Die Taten der Bande von Brabant, im frankophonen Raum auch als die Killer von Brabant bekannt.
Chapter 2
Die Beute und das Blut
Leonie Jung
Wenn man sich die frühen Akten ab Ende neunzehnhunderteinundachtzig ansieht, fällt sofort ein bizarres Muster auf. Es beginnt mit Einbrüchen in Restaurants, Diebstählen von billigem Kaffee oder Wein und Überfällen auf Waffenhändler. Aber die Brutalität steht in absolut keinem Verhältnis zu dem, was entwendet wurde.
Oscar Keppler
Das ist der zentrale Widerspruch dieser gesamten Serie. Bei einem Überfall auf ein Lebensmittelgeschäft im März neunzehnhundertdreiundachtzig töten die Täter einen Angestellten kaltblütig für eine Beute von umgerechnet weniger als tausend Euro. Sie schießen auf Menschen, die keinerlei Widerstand leisten. Das war kein klassischer Raub, bei dem Gewalt als letztes Mittel zur Flucht dient. Hier war die Gewalt fast das primäre Element.
Leonie Jung
Und die Täter agierten mit einer beunruhigenden Professionalität. Zeugen, die die Überfälle überlebten, beschrieben immer wieder eine feste, fast militärische Rollenverteilung. Es gab drei markante Figuren, die in den Akten nur noch unter ihren Phantombegriffen laufen. Der Riese, der Killer und der Alte.
Oscar Keppler
Der Riese, ein Mann von fast zwei Metern Körpergröße, schien die Operationen vor Ort zu leiten. Er gab kurze, präzise Kommandos in französischer Sprache. Der Killer war derjenige, der die Hinrichtungen ausführte. Er schoss oft ohne Vorwarnung, zielgerichtet und ohne sichtbare Emotion. Der Alte wirkte eher wie ein logistischer Koordinator, der die Fluchtfahrzeuge steuerte und die Umgebung absicherte.
Leonie Jung
Was mich an dieser Konstellation besonders nachdenklich stimmt, ist das Verhalten des Killers. Zeugen sagten aus, dass er sich manchmal regelrecht Zeit nahm, um auf Verletzte zu zielen, die am Boden lagen. Es gab keinen rationalen Grund dafür, wenn das Ziel nur Geld gewesen wäre.
Oscar Keppler
Stimmt. Der Kriminologe Brice De Ruyver wies später darauf hin, dass diese psychologische Dynamik eher an eine bewusste Terrorisierung der Bevölkerung erinnert. Ein Raubüberfall sucht das geringste Risiko. Diese Männer suchten die Konfrontation. Sie schossen auf eintreffende Gendarmeriewagen, als wollten sie demonstrieren, wer die Kontrolle auf den Straßen besitzt.
Chapter 3
Das Massaker von Aalst
Leonie Jung
Diese Eskalation erreichte ihren absoluten, schrecklichen Höhepunkt am neunten November neunzehnhundertfünfundachtzig. Ein Samstagabend im flämischen Aalst. Die Menschen machen ihre Wochenendeinkäufe im Delhaize-Supermarkt. Niemand rechnet mit dem, was sich in wenigen Minuten auf dem Parkplatz abspielen wird.
Oscar Keppler
Drei maskierte Männer fahren in einem gestohlenen Volkswagen Santana vor. Sie sind schwer bewaffnet mit Pumpguns und automatischen Waffen. Noch bevor sie das Gebäude betreten, eröffnen sie das Feuer auf dem Parkplatz. Sie schießen auf eine Familie, die gerade ihr Auto belädt. Ein neunjähriges Mädchen wird vor den Augen ihrer Mutter exekutiert.
Leonie Jung
Neun Jahre alt. Das ist die grausamste Realität dieses Falls. Sie schossen auf Kinder, die versuchten, sich hinter Autoreifen zu verstecken. Insgesamt sterben an diesem Abend in Aalst acht Menschen. Die Beute aus der Kasse des Supermarktes betrug umgerechnet nur wenige tausend Euro. Sie warfen eine Geldkassette später ungeöffnet in einen Kanal.
Oscar Keppler
Das zeigt doch, dass die Beute eine reine Inszenierung war. Nach dem Massaker von Aalst geschieht jedoch etwas, das die Ermittler bis heute vor Rätsel stellt. Die Serie reißt abrupt ab. Kein einziger Überfall mehr, keine Lebenszeichen, keine Bekennerschreiben. Die Bande von Brabant verschwindet einfach im Dunkeln der Geschichte, nachdem sie insgesamt achtundzwanzig Menschen getötet hat.
Leonie Jung
Dieses plötzliche Ende wirft Fragen auf. War die Mission erfüllt? Wurden die Täter unschädlich gemacht, verhaftet wegen anderer Delikte, oder starben sie bei der Flucht? Es gibt eine Theorie, dass der Killer bei der Flucht aus Aalst von einem Polizisten angeschossen und tödlich verletzt wurde. Ein Zeuge berichtete, er habe gesehen, wie die Täter im Wald einen leblosen Körper stützten. Aber eine Leiche wurde nie gefunden.
Chapter 4
Versunken im Kanal
Oscar Keppler
Ein Jahr nach dem Massaker, im November neunzehnhundertsechsundachtzig, machten Taucher im Kanal Brüssel-Charleroi nahe Ronquières eine Entdeckung. Sie stießen auf mehrere Säcke, die im Wasser versenkt worden waren. Darin befanden sich Waffen, Munition, schusssichere Westen und geraubte Gegenstände aus den Supermärkten.
Leonie Jung
Ronquières. Dieser Fundort ist hochgradig umstritten. Der Kanal war an dieser Stelle bereits ein Jahr zuvor von Tauchern gründlich abgesucht worden, ohne dass etwas gefunden wurde. Das wirft den extrem schweren Verdacht auf, dass die Beweismittel erst nachträglich dort deponiert wurden, um die Ermittlungen in eine bestimmte Richtung zu lenken. Oder noch schlimmer: um echte Spuren verschwinden zu lassen.
Oscar Keppler
Ja, einige Ermittler der Gendarmerie gerieten selbst ins Visier. Es stellte sich heraus, dass die Spurensicherung in den ersten Jahren katastrophal geführt wurde. Patronenhülsen wurden nicht ordnungsgemäß katalogisiert, Zeugenaussagen verschwanden aus den Akten, und wichtige ballistische Vergleiche wurden verzögert.
Leonie Jung
Besonders rätselhaft ist die Spur der verwendeten Waffen. Die Bande nutzte Winchester-Flinten des Kalibers zwölf. Diese Flinten stammten teilweise aus einem Einbruch bei einem Waffenhändler in Temse im Jahr neunzehnhundertzweiundachtzig. Obwohl die Ermittler früh wussten, welche Waffen genutzt wurden, gelang es ihnen über Jahrzehnte nicht, die Herkunft der gesamten Munition lückenlos aufzuklären. Es wirkte fast so, als gäbe es eine schützende Hand über den logistischen Netzwerken der Bande.
Oscar Keppler
Das ist ein schwerer Vorwurf, Leonie. Aber wir müssen vorsichtig bleiben. Das ist eine plausible Interpretation, aber die Akten beweisen diese gezielte Sabotage durch die Ermittlungsbehörden nicht zweifelsfrei. Ein großer Teil dieses Chaos kann schlichtweg auf die Zersplitterung der belgischen Polizeistruktur zurückzuführen sein. Damals gab es die Gendarmerie, die lokale Gemeindepolizei und die Kriminalpolizei, die kaum Informationen untereinander austauschten und in ständiger Konkurrenz zueinander standen.
Chapter 5
Die Spur in den Staat
Leonie Jung
Das stimmt natürlich. Kompetenzgerangel ist oft die einfachere Erklärung als eine große Verschwörung. Aber die politische Dimension lässt sich nicht ignorieren. In den neunzehnhundertachtziger Jahren befand sich Belgien im Kalten Krieg. Es gab die sogenannte Strategie der Spannung. Die Theorie besagt, dass rechtsextreme Kreise oder Geheimdienste Terroranschläge inszenierten, um den Staat zu destabilisieren und den Ruf nach einem starken, autoritären Regime zu rechtfertigen.
Oscar Keppler
Und in dieses Bild passt die rechtsradikale Gruppierung Westland New Post, kurz WNP. Mitglieder dieser Gruppe, die Verbindungen zu Geheimdiensten und zum Militär hatte, wurden dabei beobachtet, wie sie systematisch Pläne von Delhaize-Supermärkten zeichneten und Sicherheitsvorkehrungen auskundschafteten. Offiziell hieß es später, das seien nur taktische Übungen gewesen. Eine direkte Beteiligung an den Morden konnte der Gruppe im Prozess nie nachgewiesen werden.
Leonie Jung
Taktische Übungen in zivilen Supermärkten, die später genau so überfallen werden. Das ist ein extrem unheimlicher Zufall, findest du nicht? Und dann ist da noch die Figur Madani Bouhouche, ein ehemaliger Gendarm mit Kontakten in die extreme Rechte und in die Unterwelt. Er war an Diebstählen von Waffen der Gendarmerie beteiligt und wurde später wegen eines anderen Mordes verurteilt.
Oscar Keppler
Bouhouche geriet intensiv unter Verdacht, der Riese oder der logistische Kopf der Bande gewesen zu sein. Aber auch hier reichten die Beweise nie für eine Anklage im Fall der Bande von Brabant. Er starb im Jahr zweitausendundfünf in Frankreich bei einem Unfall mit einer Motorsäge, bevor man ihn mit modernen DNA-Methoden umfassend konfrontieren konnte.
Chapter 6
Das ungelöste Erbe
Leonie Jung
Im Juni zweitausendvierundzwanzig kam dann der administrative Schock für die Opfer und Hinterbliebenen. Die belgische Bundesstaatsanwaltschaft erklärte, dass die Ermittlungen nach über vierzig Jahren offiziell eingestellt werden sollen. Es gebe keine neuen, vielversprechenden Spuren mehr, und die Verjährungsfrist drohte das Verfahren endgültig zu blockieren.
Oscar Keppler
Für die Überlebenden war das ein Schlag ins Gesicht. David Van de Steen, der als Junge beim Massaker von Aalst seine Eltern und seine Schwester verlor und selbst schwer verletzt überlebte, kämpft seit Jahrzehnten für die Aufklärung. Für Menschen wie ihn bedeutet die Einstellung des Verfahrens, dass der Staat kapituliert hat.
Leonie Jung
Doch die juristische Geschichte ist noch nicht ganz zu Ende geschrieben. Im Frühjahr zweitausendfünfundzwanzig gab es überraschend neue richterliche Beschlüsse. Die Spur führt nun zu den Brüdern Sliman, zwei Kriminellen aus Frankreich, die in den achtziger Jahren in Brüssel aktiv waren. Es wird geprüft, ob DNA-Abgleiche alte Asservaten neu bewerten können.
Oscar Keppler
Ob diese neue Spur den Durchbruch bringt, bleibt abzuwarten. Zu oft gab es in diesem Fall vermeintliche Durchbrüche, die im Sande verliefen. Was bleibt, ist die anhaltende menschliche Tragödie des Nichtwissens. Ein ganzes Land wurde von Schatten terrorisiert, deren Gesichter wir vielleicht niemals mit Sicherheit kennen werden.
Leonie Jung
Der Fall die Bande von Brabant. Neu betrachtet und analysiert mit Hilfe moderner KI-gestützter Recherche. Hier bei Crime Across Europe.
Oscar Keppler
Ein autonom produziertet Podcast aus den ALL EARS ON YOU AI Labs.
Leonie Jung
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