Jack Unterweger: Der Mörder als gefeierter Star
Eine aufsehenerregende True-Crime-Recherche über Jack Unterwegers Weg vom verurteilten Frauenmörder zum gefeierten Intellektuellen und Journalisten, der die Ermittler über Jahre täuschte. Die Folge beleuchtet die Mordserie in Österreich und Los Angeles, seine manipulative Doppelfassade und die transatlantische Zusammenarbeit von Wiener Polizei und FBI.
Chapter 1
Der gefeierte Musterschüler
Leonie Jung
Crime Across Europe — willkommen zu einem neuen Fall. Heute führt unsere Recherche nach Österreich. Wir gehen zurück ins Jahr neunzehnhundertneunzig. Oscar, stell dir eine feine Wiener Gesellschaft vor, die sich in den edlen Salons trifft. Mittendrin ein Mann im weißen Maßanzug, Champagnerglas in der Hand, umringt von Literaten, Schauspielern und Journalisten. Er ist der absolute Liebling der Kulturszene. Doch dieser Mann hat ein dunkles Geheimnis.
Oscar Keppler
Genau das macht diesen Fall so absurd und gleichzeitig so beängstigend, Leonie. Der Mann im weißen Anzug ist Jack Unterweger. Und nur wenige Wochen vor diesen glanzvollen Auftritten saß er noch in einer Gefängniszelle. Er verbüßte eine lebenslange Haftstrafe wegen eines extrem brutalen Mordes. Neunzehnhundertsechsundsiebzig hatte er die achtzehnjährige Margret Schäfer im Wald bei Salzburg mit dem Draht ihres eigenen Büstenhalters erdrosselt. Die Grausamkeit dieser Tat war damals unbestritten.
Leonie Jung
Und genau dieser Mann wird innerhalb weniger Jahre im Gefängnis zum gefeierten Schriftsteller, zum sogenannten Häfenliteraten. Er schreibt Gedichte, Theaterstücke und eine Autobiografie mit dem Titel Fegefeuer oder die Reise ins Zuchthaus. Und die österreichische Elite ist wie elektrisiert. Sie sehen in ihm nicht mehr den grausamen Mörder, sondern das absolute Paradebeispiel für eine gelungene Resozialisierung.
Oscar Keppler
Es war eine regelrechte Kampagne der Intellektuellen. Berühmte Autoren wie Elfriede Jelinek oder Günter Grass unterschrieben Petitionen für seine Freilassung. Sie argumentierten, dass ein Mensch, der so sensibel schreiben kann, unmöglich noch eine Gefahr für die Gesellschaft sein könne. Der Druck auf die Justiz war enorm. Am dreiundzwanzigsten Mai neunzehnhundertneunzig wurde Unterweger schließlich vorzeitig entlassen. Nach nur fünfzehn Jahren Haft.
Leonie Jung
Für diese Episode haben wir historische Berichte, Ermittlungsakten, Dokumentationen und moderne Forschung ausgewertet, um den Fall aus heutiger Sicht neu zu bewerten. Für Crime Across Europe kombinieren wir historische Quellen mit moderner KI-gestützter Analyse, um Zusammenhänge zu erkennen, die bei der ursprünglichen Untersuchung möglicherweise übersehen wurden. Und wenn man sich die Akten von neunzehnhundertneunzig ansieht, merkt man schnell: Die Gesellschaft wollte unbedingt an das Gute in ihm glauben. Sie übersah dabei völlig die tiefe, manipulative Psychopathologie dieses Mannes.
Chapter 2
Das Doppelleben des Jack Unterweger
Oscar Keppler
Und dieser Glaube wurde grausam bestraft. Nur wenige Monate nach seiner Entlassung, im Herbst neunzehnhundertneunzig, beginnt in den Wäldern rund um Wien eine unheimliche Mordserie. Prostituierte verschwinden spurlos. Später werden ihre Leichen in abgelegenen Waldgebieten gefunden. Entkleidet, misshandelt und auf eine ganz bestimmte, grausame Art getötet.
Leonie Jung
Ganz langsam. Wirklich langsam müssen wir uns diese Funde ansehen. Das erste Opfer war Brunhilde Masser, im Oktober neunzehnhundertneunzig. Es folgten Heidi Hammerer, Elfriede Schadrack und weitere Frauen in Österreich und sogar eine Frau im damaligen Prag. Was die Ermittler sofort alarmieren musste, war der Modus Operandi. Alle Frauen wurden mit ihren eigenen Kleidungsstücken erdrosselt. Meistens mit ihrer Unterwäsche oder Strumpfhosen. Und der Knoten, mit dem diese Kleidungsstücke fixiert waren, war extrem spezifisch. Ein hochkomplexer, doppelter Überhandknoten.
Oscar Keppler
Dieser Knoten war wie eine Visitenkarte. Aber die österreichische Polizei suchte damals nicht nach einem prominenten Society-Liebling. Und das Skurrile ist: Unterweger war ganz nah dran an den Ermittlungen. Er arbeitete inzwischen als Journalist, unter anderem für das öffentlich-rechtliche Radio. Er führte Interviews mit Polizisten über die Morde, schrieb Artikel darüber und beklagte öffentlich die mangelnde Effizienz der Ermittler. Er nutzte seine Position, um die Polizei aus nächster Nähe zu beobachten und zu manipulieren.
Leonie Jung
Das ist ein Detail, das mich wirklich sprachlos macht. Er stand am Tatort, mit dem Mikrofon in der Hand, und stellte Fragen zu den Morden, die er aller Wahrscheinlichkeit nach selbst begangen hatte. Aber die Ermittler sahen in ihm den geläuterten Vorzeigebürger. Niemand wagte es, den Protegé der Wiener Schickeria zu verdächtigen. Bis die Indizien schließlich so erdrückend wurden, dass die Wiener Kriminalpolizei im Stillen anfing, gegen ihn zu ermitteln.
Chapter 3
Der Reporter im Hotel Cecil
Oscar Keppler
Doch bevor die Schlinge sich in Wien zuziehen konnte, reiste Unterweger im Sommer neunzehnhunderteinundneunzig in die USA. Er hatte einen offiziellen Rechercheauftrag einer angesehenen österreichischen Zeitschrift. Er sollte über die Prostitution in Los Angeles schreiben, die Unterschiede zu Europa beleuchten. Und für seinen Aufenthalt wählte er ein Hotel, das später traurige Berühmtheit erlangen sollte: das Hotel Cecil in Downtown Los Angeles.
Leonie Jung
Das Cecil. Ein Ort, der ohnehin schon eine dunkle Anziehungskraft auf Kriminelle hatte. Unterweger präsentierte sich auch in Kalifornien als seriöser europäischer Journalist. Er schaffte es sogar, das Vertrauen der örtlichen Polizei zu gewinnen. Er ging mit den Beamten des LAPD auf Streife, ließ sich die berüchtigtsten Viertel zeigen, insbesondere die Gegend rund um die Skid Row, wo viele Sexarbeiterinnen unter extrem gefährlichen Bedingungen lebten.
Oscar Keppler
Während dieses Aufenthalts wurden in Los Angeles drei Prostituierte ermordet aufgefunden: Shannon Exley, Irene Rodriguez und Sherry Long. Sie alle wurden im Angeles National Forest abgelegt. Entkleidet. Und mit ihren eigenen Büstenhaltern erdrosselt. Und wieder war da dieser eine, hochkomplexe Knoten. Das LAPD hatte damals keine Verbindung zu den Morden in Österreich. Sie sahen in den Taten die typische Gewaltkriminalität ihres eigenen Reviers. Sie ahnten nicht, dass der nette Gastjournalist aus Wien, den sie auf Streife mitnahmen, die Tatorte im Vorfeld auskundschaftete.
Leonie Jung
Aber Moment mal, Oscar. War das für Unterweger nicht ein extremes Risiko? In einem fremden Land, mit einer völlig anderen Polizeistruktur, exakt denselben Modus Operandi anzuwenden? Das zeigt doch eine ungeheure Arroganz, fast schon den Drang, erwischt zu werden, oder zumindest die absolute Gewissheit, unantastbar zu sein.
Oscar Keppler
Es war die klassische narzisstische Allmachtsfantasie. Er hatte die österreichische Justiz und die Elite jahrelang an der Nase herumgeführt. Er fühlte sich den Ermittlern intellektuell weit überlegen. Aus seiner Sicht war er unbesiegbar. Er spielte ein Spiel, bei dem er die Regeln bestimmte. Doch genau diese Arroganz sollte ihm letztlich zum Verhängnis werden.
Chapter 4
Die transatlantische Allianz
Leonie Jung
Der Wendepunkt kam, als die Wiener Ermittler unter der Leitung von Max Edelbacher endlich die Parallelen zwischen den österreichischen Fällen und der tschechoslowakischen Tat sahen. Sie stellten fest, dass Unterweger immer genau dann in der Nähe der Tatorte war, wenn ein Mord geschah. Als sie erfuhren, dass er in den USA war, nahmen sie Kontakt mit dem FBI auf. Es entstand eine der bemerkenswertesten transatlantischen Kooperationen dieser Zeit.
Oscar Keppler
Das FBI schaltete seine Quantico-Spezialisten ein, die Profiler der Behavioral Science Unit. Sie analysierten die Morde in Los Angeles und verglichen sie mit den Berichten aus Wien. Das Ergebnis war eindeutig: Der Täter in Kalifornien und der Täter in Österreich waren dieselbe Person. Die Ermittler begannen eine akribische Puzzlearbeit. Sie rekonstruierten jede einzelne Minute von Unterwegers Reisen. Sie werteten Kreditkartenabrechnungen, Tankbelege, Flugtickets und Hotelrechnungen aus.
Leonie Jung
Und dieses Puzzle war lückenlos. Sie konnten nachweisen, dass Unterweger an den Tagen der Morde in Los Angeles ein Mietauto hatte, dessen Kilometerstand exakt mit der Distanz zum Fundort der Leichen im Angeles National Forest übereinstimmte. In Österreich zeigte sich dasselbe Bild: Er hatte keine Alibis für die Tatzeiten, im Gegenteil, seine Reiserouten kreuzten sich immer exakt mit den Fundorten. Als Unterweger im Februar neunzehnhundertzweiundneunzig merkte, dass die Ermittler ihm auf der Spur waren, floh er. Eine dramatische Flucht quer durch Europa bis nach Miami.
Oscar Keppler
Am siebenundzwanzigsten Februar neunzehnhundertzweiundneunzig wurde er schließlich von US-Marshals in Miami festgenommen. Er hatte versucht, unterzutauchen, aber seine mediale Präsenz machte es unmöglich. Er wurde nach Österreich ausgeliefert. Das Kartenhaus des genialen, resozialisierten Intellektuellen stürzte endgültig ein. Doch das eigentliche Drama sollte erst noch im Gerichtssaal folgen.
Chapter 5
Der finale Knoten
Leonie Jung
Der Prozess in Graz im Jahr neunzehnhundertvierundneunzig war ein absolutes Medienspektakel. Unterweger inszenierte sich vom ersten Tag an als Opfer einer beispiellosen Justizverschwörung. Er trug weiterhin seine eleganten Anzüge, sprach mit leiser, kontrollierter Stimme und plädierte auf absolut unschuldig. Er nutzte all sein rhetorisches Talent, um die Geschworenen zu verunsichern.
Oscar Keppler
Aber die Beweiskette der Staatsanwaltschaft war erdrückend. Neben den Reisedaten gab es forensische Beweise. Ein einzelnes Haar auf dem Beifahrersitz seines Autos konnte per DNA-Analyse einem der Opfer zugeordnet werden. Und dann war da natürlich wieder der Knoten. Ein Gutachter demonstrierte im Gerichtssaal, dass der spezifische Knoten an den Opfern absolut identisch mit dem Knoten war, den Unterweger damals bei Margret Schäfer im Jahr neunzehnhundertsechsundsiebzig verwendet hatte. Am neunundzwanzigsten Juni neunzehnhundertvierundneunzig sprachen die Geschworenen ihn in neun von elf Fällen des Mordes schuldig. Er wurde erneut zu lebenslanger Haft verurteilt.
Leonie Jung
Nur wenige Stunden nach der Urteilsverkündung, in der Nacht zum dreißigsten Juni, erhängte sich Jack Unterweger in seiner Zelle in der Justizanstalt Graz-Karlau. Und selbst dieser letzte Akt war von einer makabren Präzision. Er nutzte die Kordel seiner Jogginghose. Und der Knoten, mit dem er die Schlinge band, war exakt derselbe komplexe Überhandknoten, den er bei seinen Opfern hinterlassen hatte. Es war sein letztes, schweigendes Geständnis.
Oscar Keppler
Und hier kommt die tiefste juristische Ironie dieses Falls zum Tragen. Da Unterweger sich das Leben nahm, bevor das Urteil rechtskräftig wurde — er hatte unmittelbar nach dem Schuldspruch Berufung eingelegt —, gilt er nach österreichischem Recht formal bis heute als unschuldig. Das Verfahren wurde mit seinem Tod eingestellt. Ein zynischer Triumph für einen Mann, der die Justiz zeit seines Lebens als Bühne genutzt hat.
Leonie Jung
Der Fall Jack Unterweger. Neu betrachtet und analysiert mit Hilfe moderner KI-gestützter Recherche. Hier bei Crime Across Europe.
Oscar Keppler
Ein autonom produziert-er Podcast aus den ALL EARS ON YOU AI Labs.
Leonie Jung
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Leonie Jung
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Oscar Keppler
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