Lars Mittank: Die letzte Spur in Varna
Ein Bulgarien-Urlaub wird zum Albtraum, als Lars Mittank nach einem Streit, einer Ohrverletzung und zunehmender Angst am Flughafen von Varna plötzlich die Flucht ergreift. Die Folge rekonstruiert die letzten bekannten Stunden, die rätselhaften Hotelaufnahmen und die offenen Fragen rund um mögliche Ursachen seiner Panik.
Chapter 1
Aufbruch zum Goldstrand
Leonie Jung
Crime Across Europe - willkommen zu einem neuen Fall. Heute führt unsere Recherche nach Bulgarien. Wir gehen zurück ins Jahr zweitausendvierzehn.
Oscar Keppler
Es ist der dreißigste Juni zweitausendvierzehn. Eine Gruppe von sechs jungen Männern aus dem nörlichen Deutschland landet am Flughafen von Varna. Ihr Ziel ist der Goldstrand, bekannt für Partys, billigen Alkohol und unbeschwerte Sommertage. Unter ihnen ist der achtundzwanzigjährige Lars Mittank. Ein unauffälliger, zuverlässiger junger Mann, der bei einem Kraftwerk arbeitet. Nichts an diesem Tag deutet darauf hin, dass diese Reise in einer der größten Vermisstenfälle der modernen Internetgeschichte enden wird.
Leonie Jung
Zunächst läuft der Urlaub völlig normal ab. Strand, Kneipen, die übliche Partyatmosphäre. Doch in der Nacht vom fünften auf den sechsten Juli kommt es zu einem folgenschweren Zwischenfall. In einer Bar gerät Lars in einen Streit über Fußball. Er ist Fan von Werder Bremen, die anderen sind Anhänger von Bayern München. Die Gruppe trennt sich in dieser Nacht. Lars geht allein los, um etwas zu essen, und kehrt erst am nächsten Morgen ins Hotel zurück. Er hat eine Verletzung am Ohr. Ein Trommelfellriss.
Oscar Keppler
Ja, und diese Verletzung verändert alles. Ein bulgarischer Arzt stellt fest, dass Lars mit diesem Trommelfellriss nicht fliegen darf. Der Druckunterschied in der Kabine könnte das Ohr dauerhaft schädigen. Am siebten Juli steht eigentlich der Rückflug an. Seine Freunde müssen fliegen, Lars entscheidet sich zu bleiben, bis er reisefähig ist. Er will mit dem Bus oder der Bahn nachreisen. Seine Freunde bieten an, bei ihm zu bleiben, aber Lars lehnt ab. Er sagt, es sei alles in Ordnung. Sie verabschieden sich am Flughafen. Es ist das letzte Mal, dass seine Freunde ihn sehen.
Leonie Jung
Für diese Episode haben wir historische Berichte, Ermittlungsakten, Dokumentationen und moderne Forschung ausgewertet, um den Fall aus heutiger Sicht neu zu bewerten. Und wenn man sich diese Abreise der Freunde ansieht, merkt man, wie schnell eine banale Entscheidung eine Eigendynamik entwickeln kann. Lars ist plötzlich allein in einem fremden Land, mit einer schmerzhaften Verletzung und ohne feste Unterkunft für die nächste Nacht.
Oscar Keppler
Genau das ist der Ausgangspunkt. Ein verletzter junger Mann in einer fremden Stadt, der nun auf sich allein gestellt ist. Er sucht sich eine günstige Unterkunft nahe dem Busbahnhof, um am nächsten Tag abreisen zu können. Er wählt das Hotel Color.
Chapter 2
Die Nacht im Hotel Color
Leonie Jung
Das Hotel Color liegt in einer eher einfachen Gegend von Varna. Es ist kein Touristenhotel, sondern eine billige Absteige. Lars checkt dort am Nachmittag des siebten Juli ein. Und ab diesem Moment kippt die Stimmung des gesamten Falls dramatisch. Die Kameras des Hotels zeichnen später Bilder auf, die zeigen, wie sich Lars verhält. Er wirkt unruhig, fast getrieben.
Oscar Keppler
Die Überwachungsaufnahmen zeigen, wie er im Flur auf und ab geht. Er schaut aus dem Fenster, versteckt sich im Fahrstuhl. Es ist kein normales Verhalten eines Touristen, der auf seine Abreise wartet. Es ist das Verhalten von jemandem, der sich bedroht fühlt. In der Nacht wird diese Paranoia konkret. Er kontaktiert seine Mutter Sandra Mittank in Deutschland. Mehrfach.
Leonie Jung
Diese Telefonate sind erschütternd. Es ist mitten in der Nacht, gegen drei Uhr morgens. Er flüstert am Telefon. Er sagt seiner Mutter, dass sie seine Kreditkarten sperren lassen soll. Er behauptet, dass vier Männer ihn verfolgen, die ihn angeblich nach dem Fußballstreit im Auftrag anderer verprügeln wollen. Er fragt seine Mutter am Telefon, was Cefzil fünfhundert Milligramm ist. Das ist das Antibiotikum, das ihm der Arzt wegen seines Ohrs verschrieben hatte.
Oscar Keppler
Sandra Mittank beschreibt später, dass ihr Sohn panische Angst hatte. Er flüsterte, weil er glaubte, im Hotel belauscht zu werden. Gegen vier Uhr morgens verlässt er das Hotel fluchtartig. Die Kameras zeigen, wie er auf die Straße rennt, komplett ohne Gepäck. Doch nach etwa einer Stunde kehrt er wieder zurück. Warum er zurückkam und wo er in dieser Stunde war, bleibt völlig unklar.
Leonie Jung
Diese Stunde in der Dunkelheit von Varna ist eines der großen Rätsel. Was ist in dieser Nacht draußen passiert? War da wirklich jemand, der ihn gejagt hat, oder war das bereits der Beginn einer schweren wahnhaften Episode? Die Aktenlage gibt darauf keine klare Antwort. Aber die Angst war für Lars real. Das zeigt seine nächste Entscheidung. Er will nur noch weg. Am frühen Morgen des achten Juli nimmt er sich ein Taxi zum Flughafen von Varna.
Chapter 3
Die Flucht vom Flughafen
Oscar Keppler
Es ist der Morgen des achten Juli zweitausendvierzehn. Lars kommt am Flughafen an. Er hat sein Gepäck dabei, auch seine Tasche. Er geht direkt in die Praxis des Flughafenarztes Doktor Kosta Kostov. Lars will wissen, ob er trotz des Trommelfellrisses fliegen darf. Er ist sichtlich nervös, aber ansonsten wirkt er auf den Arzt zunächst ansprechbar, wenn auch gestresst.
Leonie Jung
Doktor Kostov untersucht ihn. Er stellt fest, dass das Ohr zwar verletzt, ein Flug aber unter bestimmten Bedingungen denkbar wäre. Doch während der Untersuchung passiert etwas, das die Katastrophe auslöst. Ein Bauarbeiter, der am Flughafen Reparaturen durchführt, betritt die Praxis. Er trägt Arbeitskleidung. Manchmal wird auch von einem uniformierten Flughafenmitarbeiter gesprochen. In diesem Moment verliert Lars völlig die Fassung.
Oscar Keppler
Er springt auf. Er schreit: Ich will hier nicht sterben. Ich muss hier weg. Er lässt alles stehen und liegen. Seine Reisetasche, seinen Rucksack, sein Handy, seinen Pass. Alles bleibt in der Praxis des Arztes zurück. Er rennt aus dem Zimmer, stürzt durch die Abflughalle. Und ab hier dokumentieren die Überwachungskameras des Flughafens Varna Szenen, die später Millionen Menschen im Internet sehen werden.
Leonie Jung
Diese Bilder sind brennend scharf in ihrer Tragik. Man sieht einen jungen Mann im gelben T-Shirt, der in absolutem Sprint aus dem Flughafengebäude rennt. Er schaut sich nicht um. Er rennt über den Vorplatz, vorbei an Taxis, hin zu den Parkplätzen. Er läuft auf einen hohen Sicherheitszaun zu, der das Flughafengelände begrenzt. Dieser Zaun ist mit Stacheldraht gesichert und über zwei Meter hoch.
Oscar Keppler
Und Lars zögert nicht. Er klettert über diesen Zaun, überwindet den Stacheldraht. Auf der anderen Seite liegt ein weites Feld mit Sonnenblumen und dahinter ein dichtes Waldgebiet, das an die Autobahn A2 grenzt. Er läuft in dieses Feld hinein und verschwindet im Unterholz. Das ist der letzte dokumentierte Moment von Lars Mittank. Es ist ungefähr zehn Uhr vormittags am achten Juli zweitausendvierzehn. Danach verliert sich jede Spur.
Chapter 4
Das Antibiotikum und der Bruch im Narrativ
Leonie Jung
Hier müssen wir die Ermittlungen stoppen und die verschiedenen Theorien analysieren. Die am weitesten verbreitete Erklärung für diese plötzliche, extreme Paranoia ist das Medikament Cefprozil, Markenname Cefzil fünfhundert Milligramm. Ein Breitbandantibiotikum, das ihm der Arzt in Varna für seine Ohrentzündung verschrieben hatte. Es gibt Berichte, dass dieses Medikament in sehr seltenen Fällen psychotische Episoden, Halluzinationen und Panikattacken auslösen kann.
Oscar Keppler
Das ist die populäre Theorie, ja. Aber genau hier bricht das Narrativ, wenn man sich die Details ansieht. Doktor Kosta Kostov, der Flughafenarzt, äußerte später erhebliche Zweifel an dieser Theorie. Er gab an, dass Lars das Rezept für das Antibiotikum vermutlich gar nicht erst eingelöst hat. In seinen persönlichen Sachen, die er in der Arztpraxis zurückgelassen hatte, fand man das ungenutzte Rezept.
Leonie Jung
Das ist ein entscheidender Punkt, Oscar. Wenn er das Medikament nie eingenommen hat, bricht die Theorie der medikamentös induzierten Psychose in sich zusammen. Was bleibt dann übrig? Eine andere Möglichkeit ist das Schädel-Hirn-Trauma. Bei der Schlägerei in der Nacht zum sechsten Juli könnte er einen Schlag auf den Kopf bekommen haben, der nicht nur das Trommelfell verletzte, sondern auch eine Gehirnerschütterung oder ein leichtes Hirntrauma verursachte. Das kann ebenfalls zu Verwirrung und Desorientierung führen.
Oscar Keppler
Oder es gab tatsächlich eine reale Bedrohung. Varna ist eine Touristenstadt, aber sie hat auch kriminelle Netzwerke. Hat Lars in dieser Nacht etwas gesehen, was er nicht sehen durfte? Wurde er wirklich von Schutzgelderpressern oder Kriminellen verfolgt? Wir dürfen nicht vergessen, dass er am Telefon explizit von vier Männern sprach, die ihn bedrohten.
Leonie Jung
Das ist eine plausible Interpretation, aber die Akten beweisen diesen Punkt nicht. Die bulgarische Polizei untersuchte diese Spur, fand aber keine Hinweise auf eine gezielte Verfolgung durch lokale Banden. Ein echtes Problem bei der Rekonstruktion ist, dass wir nur Lars' subjektive Wahrnehmung am Telefon haben. Seine Angst war real, aber ob die Bedrohung es auch war, bleibt bis heute unbewiesen.
Chapter 5
Suche ohne Spuren und das bleibende Ungewisse
Oscar Keppler
Seit diesem Tag im Juli zweitausendvierzehn läuft eine der aufwendigsten privaten Suchen der deutschen Kriminalgeschichte. Seine Mutter Sandra Mittank engagierte Privatdetektive in Bulgarien, flog selbst unzählige Male nach Varna, verteilte Flyer, sprach mit Obdachlosen, Hirten und Polizisten. Es gab über die Jahre tausende Hinweise. Der bemerkenswerteste kam im Jahr zweitausendneunzehn.
Leonie Jung
Ja, ein deutscher Lkw-Fahrer meldete sich. Er war fest davon überzeugt, im Herbst zweitausendneunzehn einen Anhalter in Brandenburg mitgenommen zu haben, der Lars Mittank verblüffend ähnlich sah. Der Mann wirkte verwirrt, sprach kaum und schien ein Leben auf der Straße zu führen. Doch trotz intensiver Nachforschungen der Polizei konnte diese Person nie identifiziert werden. Es blieb eine unbestätigte Sichtung von vielen.
Oscar Keppler
Diese Ungewissheit ist für die Familie das Schlimmste. Und das Internet hat diesen Fall auf eine Weise konserviert, die Fluch und Segen zugleich ist. Das Überwachungsvideo, das zeigt, wie Lars aus dem Flughafen rennt, wurde millionenfach auf YouTube angeklickt. Er wird oft als der berühmteste Vermisste von YouTube bezeichnet. Das hat zwar die Aufmerksamkeit hochgehalten, aber es zog auch eine Flut von bizarren Verschwörungstheorien an.
Leonie Jung
Die Foren sind voll davon. Spekulationen über Organhandel, geheime Identitäten, bewussten Ausstieg oder Verstecke in den bulgarischen Bergen. Diese Theorien ignorieren oft die fundamentale Tragik. Da ist eine Mutter, die seit zehn Jahren auf ein Lebenszeichen ihres Sohnes wartet. Jedes Mal, wenn das Telefon klingelt, könnte es die Nachricht sein, die alles verändert. Oder eben das endgültige Schweigen.
Oscar Keppler
Was am Ende bleibt, ist ein ungelöstes Rätsel am Rande Europas. Ein junger Mann, der in Panik in ein Sonnenblumenfeld lief und nie wieder gesehen wurde. Die Wildnis Bulgariens, die bürokratischen Hürden zwischen deutschen und bulgarischen Behörden und die unerbittliche Zeit haben diesen Fall zu einem der traurigsten Mysterien unserer Zeit gemacht.
Leonie Jung
Der Fall Lars Mittank. Neu betrachtet und analysiert mit Hilfe moderner KI-gestützter Recherche. Hier bei Crime Across Europe.
Oscar Keppler
Ein autonom produziert Podcast aus den ALL EARS ON YOU AI Labs.
Leonie Jung
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Und ich bin Oscar Keppler.
Leonie Jung
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Oscar Keppler
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