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Der Frauke-Liebs-Fall: Anrufe aus der Dunkelheit

In dieser Folge rekonstruieren wir das Verschwinden von Frauke Liebs im Sommer 2006, ihre rätselhaften Telefonanrufe und die letzte, verstörende Lebensmeldung an ihre Familie. Außerdem beleuchten wir den späteren Fund der Leiche, die forensischen Lücken und die Theorien rund um einen möglichen Täter.


Chapter 1

Geografische Orientierung und ein plötzliches Verschwinden

Leonie Jung

Crime Across Europe - willkommen zu einem neuen Fall. Heute führt unsere Recherche nach Deutschland. Wir gehen zurück ins Jahr zweitausendsechs.

Oscar Keppler

Es ist der zwanzigste Juni zweitausendsechs. Sommer in Paderborn. Die Stadt ist im Fußballfieber, die Weltmeisterschaft im eigenen Land läuft. In einem Irish Pub in der Innenstadt schaut die einundzwanzigjährige Frauke Liebs das Spiel Schweden gegen England. Es ist warm, die Straßen sind belebt. Gegen dreiundzwanzig Uhr verabschiedet sie sich von ihren Freunden. Sie macht sich zu Fuß auf den Weg nach Hause. Ein Weg von vielleicht anderthalb Kilometern.

Leonie Jung

Aber sie kommt in dieser Nacht nicht in der Wohnung an, die sie sich mit ihrem Mitbewohner und Ex-Freund Christos teilt. Sie hat an diesem Abend kaum Bargeld dabei, nur etwa fünf Euro. Und der Akku ihres Mobiltelefons, eines Nokia-Geräts, ist fast leer. Das ist der Ausgangspunkt. Ein ganz gewöhnlicher Heimweg, der im Nichts endet.

Oscar Keppler

Zunächst steht die Vermutung im Raum, sie könnte sich freiwillig eine Auszeit genommen haben. Junge Erwachsene verschwinden manchmal, ohne Bescheid zu sagen. Doch diese Annahme wird extrem schnell erschüttert. Um null Uhr einundfünfzig in derselben Nacht geht eine SMS von ihrem Handy bei Christos ein. Der Inhalt: Sie schreibt, dass sie später kommt. Das Seltsame daran ist der Absenderort. Das Signal kommt aus einer Funkzelle in Nieheim, gut fünfunddreißig Kilometer von Paderborn entfernt.

Leonie Jung

Fünfunddreißig Kilometer in weniger als zwei Stunden. Zu Fuß ist das unmöglich. Und genau hier bricht die Theorie eines freiwilligen Weggangs in sich zusammen. Warum sollte sie ohne Geld und mit leerem Akku mitten in der Nacht nach Nieheim fahren? Für Crime Across Europe haben wir historische Berichte, Ermittlungsakten, Dokumentationen und moderne Forschung ausgewertet, um diesen Fall aus heutiger Sicht neu zu bewerten.

Chapter 2

Die rätselhaften Lebenszeichen

Oscar Keppler

Was in den folgenden Tagen passiert, gehört zu den rätselhaftesten und quälendsten Aspekten der deutschen Kriminalgeschichte. Frauke Liebs ist verschwunden, aber ihr Mobiltelefon bleibt aktiv. In den Tagen nach dem zwanzigsten Juni folgen insgesamt fünf Telefonanrufe und eine weitere Textnachricht von ihrem Handy aus.

Leonie Jung

Das Besondere ist, dass diese Kontakte alle aus verschiedenen Industriegebieten im Raum Paderborn, Sennelager und Herzebrock-Clarholz eingewählt werden. Sie meldet sich bei Christos, einmal auch bei ihrer Schwester Karen. Die Anrufe finden meist am späten Abend statt, oft kurz vor Mitternacht. Und sie sind extrem kurz.

Oscar Keppler

Die Dynamik dieser Gespräche in den Akten zeigt eine furchtbare Ambivalenz. Frauke klingt am Telefon seltsam benommen, fast wie unter dem Einfluss von Medikamenten oder extremem Schlafmangel. Ihre Antworten sind abgehackt, ausweichend. Sie wiederholt Phrasen wie, dass sie bald nach Hause kommt, dass sie nicht weit weg ist. Aber sie nennt keine Details.

Leonie Jung

Am siebenundzwanzigsten Juni, eine Woche nach ihrem Verschwinden, kommt es zum längsten und gleichzeitig erschreckendsten Telefonat. Christos und Fraukes Schwester Karen halten das Telefon bereit. Frauke ruft an. Das Gespräch dauert über fünf Minuten. Karen fragt sie direkt: Wo bist du? Frauke antwortet: Das kann ich dir nicht sagen. Und dann fällt dieser eine Satz, der sich den Angehörigen eingebrannt hat: Ich bin noch am Leben.

Oscar Keppler

Ich bin noch am Leben. Das sagt man nicht, wenn man freiwillig wegbleibt. Das impliziert direkt, dass der Tod eine reale Option war oder ist. Karen fragt sie im selben Gespräch: Bist du gefangen? Und Frauke antwortet mit einem leisen, fast gehauchten: Ja. Nein, nein.

Leonie Jung

Dieses sofortige Zurückweichen zeigt doch die enorme Kontrolle, unter der sie stand. Der Täter war im selben Raum, vielleicht hat er sie mit einer Waffe bedroht oder die Antworten auf einem Zettel vorgegeben. Nach diesem siebenundzwanzigsten Juni verstummen die Lebenszeichen endgültig.

Chapter 3

Der Fund im Totengrund

Oscar Keppler

Die Ungewissheit endet am vierten Oktober zweitausendsechs. Es ist ein herbstlicher Nachmittag in einem Waldstück nahe der Bundesstraße 68 bei Lichtenau. Ein Jäger ist abseits der Pfade unterwegs. In einer schwer zugänglichen Kraut- und Strauchschicht macht er eine schreckliche Entdeckung. Es ist die skelettierte Leiche einer Frau.

Leonie Jung

Der Fundort liegt im sogenannten Totengrund. Schon der Name dieses Ortes wirkt düster, auch wenn es eine alte Flurbezeichnung ist. Die Leiche ist zu diesem Zeitpunkt bereits stark verwest. Die herbstlichen Witterungseinflüsse und Tierfraß haben den Körper so stark verändert, dass die Rechtsmediziner die genaue Todesursache und auch den exakten Todeszeitpunkt nicht mehr zweifelsfrei feststellen können.

Oscar Keppler

Das ist ein massives Problem für die Forensik. Ohne Todesursache fehlen den Ermittlern entscheidende Puzzleteile. Was wir wissen: Frauke trug noch dieselbe Kleidung wie am Abend ihres Verschwindens im Irish Pub. Das rote T-Shirt, die Jeans. Aber von ihren persönlichen Gegenständen fehlt jede Spur.

Leonie Jung

Ihr Handy, das Nokia-Gerät, ihre Handtasche, ihre Geldbörse, ihre Armbanduhr – nichts davon wurde am Fundort oder im Umkreis gefunden. Der Täter hat diese Dinge gezielt an sich genommen und vermutlich an anderer Stelle entsorgt. Er wollte keine Spuren hinterlassen, die digital oder physisch zu ihm führen könnten.

Chapter 4

Theorien und die Spur der Telefonzellen

Oscar Keppler

Die Ermittler der Mordkommission stehen vor einem logistischen Rätsel. Wenn Frauke Liebs in Nieheim festgehalten wurde und die Anrufe aus verschiedenen Industriegebieten um Paderborn kamen, bedeutet das eine ständige Bewegung. Der Täter muss sie für diese Telefonate fast täglich mit einem Fahrzeug transportiert haben.

Leonie Jung

Warum dieses enorme Risiko? Jedes Telefonat im öffentlichen Raum birgt die Gefahr, gesehen zu werden. Eine Theorie besagt, dass der Täter Frauke damit beruhigen wollte, um Zeit zu gewinnen, oder dass er ein perfides Spiel mit der Familie und den Ermittlern trieb. Die Polizei befragt im Laufe der Jahre über tausend Personen. Jeder Fahrzeughalter in der Region wird überprüft.

Oscar Keppler

Jahre später, im Jahr zweitausendsechzehn, keimt noch einmal Hoffnung auf. Im nahegelegenen Bosseborn, einem Ortsteil von Höxter, wird das sogenannte Horrorhaus bekannt. Ein Paar hat dort über Jahre hinweg Frauen festgehalten, misshandelt und teilweise getötet. Die räumliche Nähe und das Muster der Gefangenschaft werfen sofort die Frage auf: Gibt es eine Verbindung zu Frauke Liebs?

Leonie Jung

Die Ermittler prüfen diesen Ansatz intensiv. Aber die Verhöre, die Bewegungsprofile und das konkrete Tatmuster der Täter von Bosseborn liefern keine Übereinstimmungen. Es gibt keine Beweise, die die beiden Fälle verknüpfen. Fraukes Fall bleibt isoliert.

Oscar Keppler

Damit bleibt auch die Frage offen: War es ein Einzeltäter aus ihrem erweiterten Umfeld, der sie flüchtig kannte, oder ein völlig Fremder, der die Situation in jener Nacht im Juni schamlos ausnutzte? Alle konkreten Verdächtigen aus dem Bekanntenkreis, die die Polizei damals im Visier hatte, konnten lückenlose Alibis für die relevanten Zeiträume vorweisen.

Chapter 5

Neubewertung und die Last des Unbekannten

Oscar Keppler

Wenn wir diesen Fall heute neu betrachten, sehen wir die schmerzhaften Grenzen der klassischen Kriminalistik. Wir haben kein brauchbares Täter-DNA-Material vom Fundort, da die Leiche zu lange den Elementen ausgesetzt war. Die digitalen Spuren der Funkzellenortung waren zweitausendsechs noch ungenauer als heute. Es ist kein Sprint, bei dem man schnell ans Ziel kommt, sondern ein zäher Dauerlauf gegen das Vergessen.

Leonie Jung

Dieser Dauerlauf wird vor allem von einer Person getragen: Ingrid Liebs, Fraukes Mutter. Sie kämpft seit fast zwei Jahrzehnten unermüdlich um Antworten. Sie hat eine eigene Website zur Zeugensuche eingerichtet, geht jedem noch so kleinen Hinweis nach. Diese Last des Unwissens, die Ungewissheit, wer ihrer Tochter das angetan hat und warum, ist eine lebenslange Strafe für die Familie.

Oscar Keppler

Und das führt uns zu einer beunruhigenden Erkenntnis. Der Täter hat den Fall damals sehr genau geplant oder hatte extremes Glück bei der Spurenvermeidung. Es ist sehr wahrscheinlich, dass dieser Mensch noch heute unerkannt mitten unter uns lebt. Vielleicht im Raum Paderborn, vielleicht führt er ein völlig unauffälliges Leben.

Leonie Jung

Der Fall Frauke Liebs. Neu betrachtet und analysiert mit Hilfe moderner KI-gestützter Recherche. Hier bei Crime Across Europe.

Oscar Keppler

Ein autonom produzierter Podcast aus den ALL EARS ON YOU AI Labs.

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Leonie Jung

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Oscar Keppler

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